Luise Rist

Thema

Als ich ein Kind war, suchte ich gerne nach den sogenannten Fremden, die von außerhalb kamen und kein Deutsch sprachen. Ich sprach selbst nicht viel in dieser Zeit. Sie begegneten mir am Bahndamm meines Ortes, auf dem Gelände eines verlassenen Schrottplatzes, der im Winter als Quartier für einen Wanderzirkus genutzt wurde. Jeden Nachmittag verbrachte ich bei ihnen. Es war ein bisschen rauh dort und sehr frei, wild, aber nicht romantisch. Seit einigen Jahren schreibe und inszeniere ich Theaterstücke, mein Fokus liegt auf den Rändern der Gesellschaft.

Mit boat people projekt haben wir Menschen kennenlernen dürfen, die hierher geflüchtet sind, und gemeinsam mit ihnen gestalten wir Erfahrungs-Räume, suchen nach gemeinsamen Sprachen.

Tätigkeitsfelder

Da ich schon viele Jahre Theater mache, war ich sowohl Dramaturgin (am DT Göttingen – durch diese Tätigkeit bin ich nach Göttingen gekommen) als auch Autorin (ebenfalls zuerst am DT, seit Gründung von bpp fürs eigene Label, manche Stücke entstanden auch im Auftrag für andere Theater oder wurden dort nachgespielt (am Prominentesten zu nennen dasThalia Theater Hamburg) und auch Regisseurin (hauptsächlich bei boat people projekt, und zuvor schon mal am DT und seither auch mal im Auftrag des Paul Klee Zentrums Bern bei der Uraufführung von SPLITTER). Besonders geprägt hat mich künstlerisch auch die Arbeit mit psychisch erkrankten Menschen (myworx) und die Produktionen mit dem jungen boat people projekt (Jugendgruppe des Projekts) sowie mit der MAHALA INTERNATIONAL am Pfalzbau Ludwigshafen. Darüber hinaus schreibe ich Bücher. Mein Debütroman heißt ROSENWINKEL. Die Hauptfigur ist eine Roma, die aus Deutschland abgeschoben wird. Wie gehen wir damit um, dass Menschen abgeschoben werden? Das Thema Bleiberecht beschäftigt mich.

Aktuell

Zurzeit sollte ich hauptsächlich mein zweites Buch zu Ende schreiben. Es heißt MORGENLAND (wie übrigens auch der Film des jungen boat people projekts, der zusammen mit BILDWERFER entstand) und handelt von einem jungen Afghanen und einer jungen Deutschen, die sich im Jahr 2017 an der serbisch-ungarischen Grenze ineinander verlieben und gemeinsam fliehen.

Trotzdem gibt es natürlich noch die Jugendgruppe JUNGES BOAT PEOPLE PROJEKT, mit der wieder ein schönes, neues Stück geprobt wird. Und auch die MAHALA INTERNATIONAL am Theater im Pfalzbau Ludwigshafen läuft (Werkstattaufführung am 8. Juli).

Anträge laufen für das Musiktheaterstück DAS BOAT PEOPLE SONG PROJEKT (Premiere Februar 2018), bei dem Hans Kaul die Musikalische Leitung hat. Er leitet auch zusammen mit Sonja Elena Schroeder und mir das junge bpp, und das gleiche Team schreibt, inszeniert, filmt für den Pfalzbau.

Am 21.April spreche ich auf der Netzwerktagung der Asklepios-Klinik über die Theaterarbeit mit minderjährigen traumatisierten Flüchtlingen.

Was mir zur Zeit wichtig ist

Kontakte zu persischen und arabischen Autor*innen! Ich möchte gerne mit jemandem gemeinsam ein Theaterstück schreiben. Der Ausbau von Kontakten zu Künstler*innen und Aktivisti*innen in anderen Ländern, zurzeit trotz / gerade wegen Brexit netzwerke ich Richtung London.