von Roma Center e.V. in Kooperation mit boat people projekt
 

Zurzeit proben vierzehn junge Erwachsene ein Mal in der Woche an einem Stück, das viel mit ihrem eigenen Leben zu tun hat. Es geht vordergründig um Regeln; welche Regeln herrschen in meiner Familie oder in meiner Tradition, wo sind Grenzen in der Kommunikation, wo sind rote Linien, die für Außenstehende unsichtbar sind? Viele Impulse kamen aus der Gruppe zu diesem Thema; jede und jeder hat etwas beizutragen. Denn wir sind alle bestimmt von Regeln, die unsere Gesellschaft zusammen halten, die uns aber auch einengen können. Der Hintergrund des Stücks ist die Frage, wie frei wir sind in der Wahl unserer Freunde und Lieben, wie abhängig wir sind von der Meinung unserer Familien, unserer Herkunft. Kann ich zu jemandem stehen, wenn er oder sie gerade etwas in meinem Sinne Peinliches gesagt oder getan hat?

Das Stück erzählt von keiner bestimmten Kultur, von keinem bestimmten Herkunftsland. Die Regeln in dem Theaterstück sind erfunden, und sie spiegeln, wie absurd komisch jede Regel erscheinen kann, wenn man sie nicht kennt, und wie demütigend es ist, wenn man nicht merkt, wo man eine Grenze unbewusst übertreten hat.

Zu Patchwork Peace gehören junge Menschen aus den verschiedensten Herkünften, sie stammen aus Syrien, Afghanistan, Iran, Bosnien, Rumänien, aus Sambia, und aus Deutschland. Die Gruppe, die sich zusammengefunden hat und noch weitere Spieler*innen aufnehmen kann, - oder Menschen, die Lust haben, Backstage zu dem Stück beizutragen -, bildet eine kleine visionäre Zelle. Denn in den Proben entsteht die Lust aufs Kennenlernen, und es ist eine Chance, wenn Gymasiasten, FSJler, Arbeitslose, Studierende aus aller Welt miteinander auf der Bühne agieren und eigene Grenzen durchlässiger werden. Schön, wenn jemand aus Sambia zum ersten Mal mit der Kultur der Roma in Berührung kommt, und wenn alle erfahren, dass Yag Bari das Große Feuer meint –das Feuer, um das sich die Roma-Familien versammelten, das aber auch in die Zukunft weist, weil es nicht aufgehört hat zu brennen. Es ist das Feuer in uns, Symbol der Hoffnung. Es steht gleichermaßen für den Schmerz, für Vertreibung und Vernichtung im Porajmos. Es ist stärker als „das große Verschlingen“, wie der Holocaust auf Romanes heißt.

Die Gruppe, die mit Patchwork Peace entstanden ist, ist noch offen für ein bis zwei neue Teilnehmer*innen. Willkommen! Mit viel Humor, Spaß am Ausprobieren und Nachdenken wächst die Gruppe, durch Reibung entsteht Wärme. Yag Bari.