Eine Text-Online-Veröffentlichung nach der Premierenfassung vom 02.10.2019
in einer Uraufführung von boat people projekt (Regie Nina de la Chevallerie)

Mehr Informationen zur Uraufführung finden Sie HIER.
Den Text können Sie als PDF-Datei HIER kostenfrei herunterladen.

 

 

HAARE

von Nora Amin

 

Prolog

Ich bin lang... und kurz... und mittellang
schwarz und braun und golden und blond und rot und weiß und grau und und und und und... alle Farben bin ich... manchmal blau und grün und rosa...
Ich bin seidig und gewellt und gelockt und föngetrocknet... beschädigt und fettig und gebrochen und bereits gestorben
Ich bin schmierig... ja schmierig ich bin...
Ich bin..: Ich bin dünn oder dick...
Ich hänge in der Luft, ich fliege... mit dem Wind… Ich falle runter...
Ich bin dünn oder dick..: Ich bin Zöpfe und Pferdeschwanz und Brötchen und Perücke...
Ich bin nass und sehr trocken... mit Öl... Spülung... Balsam... Anti-Schuppen-Shampoo... Ich lebe mit dem Stay-in-Serum... oder mit dem Spray... mit Gel und mit Wasserbasis bla bla bla bla...

Ich bin Schönheit... Revolution... Dreck... und Verführung... Ich bin, was ich bin... die Geliebte... die Unberührte... die Verbrannte... die Verbrannte... die Konditionierte... die Verborgene... die Geschnittene... die Rasierte...

Ich bin eine Krone... die Krone...

Ich bin eine Aussage

Ich habe kein Geschlecht ...

Ich bin Wärme... der natürliche Helm...
Ich bin der Wahnsinn... bedroht von der Schere... oder die Sehnsucht nach der Schere... Ich bin das Opfer im Friseursalon... oder der Überlebende unter seinen Händen...
Ich bin Luxus und ich bin harte Arbeit.

Ich falle runter... falle runter... ich falle runter... Ich verschwinde wie Würmer auf dem Boden... später in den Mülleimer getragen...

Ich trage Zellen und Gedächtnis... Ich bin dünn oder dick... und ich trage Erinnerungen... Ich bin mit Ihrem Schädel verbunden... mit Ihrem Nervensystem... mit Ihren Emotionen und Ihrer psychologischen Stimmung... machen Sie mir keinen Kummer... oder Stress...
Ich bin Ihre Visitenkarte.
 ...sorge für mich… Ich bin du... Ich bin Sie... Ich bin, wer Sie sind...
Du kannst mich im Spiegel sehen... aber das ist nicht alles von mir... Ich existiere auch unter deinem Schädel.
Ich weiß, dass ich fast nie zuvor gesprochen habe... du hast mich stumm geschaltet... und mich benutzt... jetzt ist es an der Zeit, unsere Rechnung zu begleichen... also lass uns anfangen zu zählen... wie viele Haare auf deinem Schädel existieren… 1.2.3.4.5.6.7.8.9…

 

Monolog 1

Ich bin die koreanische Gottheit Cheuksin, die in die Toilettenräume verbannt wurde um dort für immer ihre langen und sehr zahlreichen Haare zu zählen. Die Geschichte sagt, dass ich für immer hier hausen muss -, auf dem Klo! Aus Rache berühre ich alle mit meinen Haaren, wenn sie nicht vorsichtig genug sind und drei Mal husten bevor sie diesen Raum betreten und sie werden unheilbar krank und sterben eines kläglichen Todes.

Ich bin die siebte Tochter des chinesischen Allumfassenden Gottes. Mein Haar ist ehrlich gesagt etwas länger als das der koreanischen Schwester. Die Geschichte sagt, dass ich es genutzt habe, um meinem Geliebten vor dem Zorn meines Vaters zu bewahren. Er ist mir nachgerannt als ich nach Hause musste, schnell habe ich meine langen Haare ausgebreitet, die sich wie ein silberner Fluss zwischen uns gelegt haben. Sie werden seitdem die Milchstraße genannt. Sie trennt mich von meinem Geliebten für immer…

Das ist ja gar nichts. Mein Haar besteht für den Rest meines Lebens aus Schlangen! Ich bin Medusa, und jeder zweite hat sich meinen Kopf auf den Rücken tätowiert. Versace benutzt meinen Kopf sogar als Firmenlogo. Angeblich waren meine schönen Haare schuld daran, dass sich Poseidon über mich her gemacht hat, ME TOO! Und deswegen hat Athene mich verflucht und mir dieses Aussehen gegeben.

40 Zöpfe! Die Geschichte gibt mir 40 Zöpfe, den persischen Namen Chelgie und sperrt mich ein. Ich soll darauf warten, dass ein schöner Mann kommt und mich befreit. Am Ende lässt er sich gefangen nehmen von den Monstern, die mich bewachen und ich muss mein Haar opfern und ihn damit freikaufen.

"Rapunzel... Rapunzel..." Die Hexe hat mich verzaubert, weil meine Mutter ihren Salat gegessen hat, als sie mit mir schwanger war! Ich werde für immer in diesem hohen Holzturm gefangen sein, der von meinem eigenen Vater gebaut wurde, um mich zu beschützen.

Die Geschichte sagt, dass es lang sein wird... über achtzehn Jahre lang... es wird so lang wie der hohe Turm. Die Geschichte sagt, dass aber auch die Hexe täglich an meinen langen Zöpfen hinaufklettern wird, um in mein Turmzimmer zu gelangen... sie hat alle Treppen und Türen im Turm zerstört... die Geschichte bringt mir auch einen Prinzen, der an ihnen hinaufsteigen wird, um sich in mich zu verlieben...

Die Geschichte sagt nichts über den Schmerz… meinen Schmerz... den Schmerz darüber, wie sehr es mich verletzt hat, so an den Haaren gezogen zu werden... weder erwähnt die Geschichte die unverwüstliche Kraft meiner Zöpfe, die Kraft ganze Körper zu tragen, ohne daran zu zerbrechen…

Die Geschichte hört nicht auf... tatsächlich benutzt die Geschichte mein Haar... nutzt es aus... Ich soll das gefügige, schöne, eingesperrten Mädchen sein, darauf wartend, dass ihr Prinz sie befreit und in ein anderes Gefängnis steckt: das Gefängnis der Ehe... und mein Haar ist das Werkzeug, die Brücke, die beide, die Hexe und den Prinzen zu mir hochbringt... das Böse und die vermeintliche Liebe...es dient meinen beiden Gefängniswärtern.. aber es dient mir nicht! Es dient nur dem Mann, ohne kommt er nirgends hin und nirgends weiter.

Aber ich bin doch nicht blöd.. ich bin nicht nur eine hübsche Puppe oder deine blonde Fantasie... Ich bin nicht schuld an meiner Schönheit, ich bin keine langhaarige Projektionsfläche... Ich bin nicht nur ein hübsches Gesicht, mit langem dichtem Haar, blond oder schwarz oder mit braunem oder rotem Haar… Ich bin übrigens ein Mensch.... und jetzt ist das kein Märchen mehr…

Ich werde mich um mich selbst kümmern und mein Haar gehört mir.

 

Monolog 2

Ich hasse sie. Es ist 7 Uhr morgens und ich bin acht Jahre alt. Ich sitze in der Mitte, zwischen meiner Mutter und meiner Oma... Ich muss mich fügen oder ich komme zu spät zur Schule... jede der beiden Frauen zieht an einem Teil meiner Haare, jede beginnt, zu flechten... mein Kopf in der Mitte ist dabei zu explodieren... aber ich darf nicht schreien oder mich beschweren... sie sind sehr streng... sehr strenge Expertinnen... sie ziehen an den Zöpfen, um sie zu ordnen, zu glätten, zu bändigen. Alles muss sauber sein, muss glänzen... nicht ein einziges Haar darf herausstehen!

Die Nonnen an der Schule wären sehr angewidert davon... Obwohl ich immer sauber bin, jeden Abend dusche ich vor dem Schlafengehen und am Morgen sitze ich eine halbe Stunde lang so.... von den beiden Autoritäten des Hauses hin- und hergerissen. und es tut wirklich weh... manchmal tut es mehr weh als andere Male, wenn sie wütend aufeinander sind... jede zieht meinen Kopf aggressiv zu sich hin... als ob sie ihre Kraft beweisen wollen.

Mein Haar wird täglich zwischen zwei Generationen hin- und hergerissen... und eine weitere wartet in der Schule darauf, meine Nägel zu überprüfen und ob ich richtig geflochten bin... Ich beginne den Tag mit Tränen in den Augen… Tränen in beiden Augen… Ich hasse meine Haare...

Ich bin Richterin am Obersten Gerichtshof und muss nach wie vor bei Gericht das hier aufsetzen. In allen ehemaligen britischen Kolonien wie Kenia, Simbabwe, Nigeria, Gambia werden diese Perücken bei Gericht getragen. Wir kaufen sie aus Großbritannien, sie werden nämlich nur dort hergestellt. Sie kosten bis zu 6000 Dollar. Sie sind ziemlich schwer und es wird sehr heiß darunter. Sie wurden nicht wirklich für diese Breitengrade gemacht. Wir versuchen sie endlich abzuschaffen, doch die Reaktionen sind gemischt. Manche befürchten, die Würde des Gerichts ginge dann verloren. Die Perücken gibt es übrigens nur - in Weiß.

 

Monolog 3

Da sind sie wieder, diese Blicke. Ich weiß schon, was jetzt kommt. Können Sie das bitte lassen. Nehmen Sie Ihre Hand aus meinen Haaren. Denken Sie nur weil ich eine andere Haarstruktur habe, will ich Ihre Finger in meinem Haar?

Nein, das will ich nicht! Don´t touch my hair.

Wissen Sie, wie oft das vorkommt? Im Bus, früher in der Schule, auf der Straße – überall ! Möchten Sie, dass Ihnen fremde Leute dauernd in die Haare grapschen? Das ist voll intim. Finden Sie das nicht dreist? Das fühlt sich entwürdigend an. Ich bin doch kein Hündchen. Meine Haare gehören zu mir und ohne meine Haare wäre ich nicht ich. Sie sind ein wichtiger Faktor dafür wie ich behandelt werde, weil ich anders behandelt werde. Meine Haare sind eine Angriffsfläche für Rassismus in Deutschland.

Als Migrantin in Deutschland fühle ich mich manchmal den anderen Frauen, den deutschen Frauen unterlegen, als hätte ich ein anderes Geschlecht, das den deutschen, weißen Geschlechtern untergeordnet ist. Soll ich versuchen, mich ihrem Aussehen anzupassen? Soll ich versuchen, das typische Aussehen des weißen weiblichen deutschen Geschlechts zu adaptieren? Gibt es ein typisches Aussehen? Wäre es das glatte Haar? Was wäre, wenn ich mein Haar glätten - es zähmen würde? Würde das ihre Wahrnehmung von mir verändern? Würde ich dann schön aussehen in ihren Augen? Würde ich dann weniger fremd und angsteinflößend wirken? Vielleicht wären sie mir dann sogar zugewandt. - Ich stelle mir lächelnde Gesichter vor, die mich willkommen heißen und anerkennen... derart verändert – mit glattem Haar - würde ich also zu einer eleganten Frau werden... vielleicht sogar zu einer schönen - in ihren Augen....

Natürliches Haar symbolisiert für mich Freiheit. Ich fühle mich selbstbewusst damit. Meine Haare sind meine Identität.

Die weltberühmte Autorin Chimamanda Ngozi Adiche aus Nigeria meint, das Barak Obama niemals Präsident geworden wäre hätte Michelle ihre Haare als Afro getragen.

Tatsächlich gibt es nur ein einziges Bild von ihr mit krausem Haar!

 

Monolog 4

I am you by the way. I am madness. Take care of me. I’m all genders
Kümmere dich um mich. Ich vervollständige dein Bild. Ich bin du. Ich bin, wer du bist.
Zähme mich, verstecke mich, genieße mich in deiner geheimen Zeit… Ich bin du. Ich weiß, wer du bist.
Werfe mich auf deine Schultern, lass mich frei und hänge mich in den Wind… Ich bin du, ich kann sein, wer du sein willst.
Ich bin Schönheit, Revolution, Schmutz und Verführung, bin eine Krone. Ich bin du, ich bin wer du warst und wer du gewesen sein möchtest.
I must be very intelligent I guess.

 

Monolog 5

576, 687, 987, 1000 –Besiegte. Die Geschichte sagt, dass ich unbesiegbar bin, mächtig und stark. Ich bin Samson, ein Held aus der Bibel, ein Geweihter Gottes, von Geburt an. Mein Geheimnis ist mein langes und kräftiges Haar. Meine Geliebte Delilah wird mich irgendwann verraten und es mir abschneiden, was mein Ende bedeutet. Meine Männlichkeit liegt in meinem sehr langen Haar.

 

Monolog 6

Ich mag es, wenn du es streichelst... mein….. du streichelst mich in den Schlaf und streichelst es…und mich dabei in den Schlaf... deine Finger gleiten hindurch... du lässt mich entspannen und schlafen... Ich fühle mich sicher und geliebt... es ist der Schlüssel... es ist mein Kissen... meine Umarmung... Ich liebe es, wenn es auf mein Gesicht fällt oder meine Augen verdeckt... es wird meine Maske... meine Brille... Ich liebe es, wie es riecht... es bringt mich in den Schlaf...

Ich lerne, wie man liebt... jemanden zu lieben ist, das Haar von jemandem zu streicheln...sich geliebt und sicher und entspannt zu fühlen... sich in den Schlaf führen und leiten zu lassen... den Kopf des Geliebten zu massieren und in Träume zu führen... du bist das Tor zu den Träumen... dich lieben und deine Phantasie befreien... es lieben... entspannen und träumen... lächeln und schlafen...

Ich werde dich durch dein Haar lieben... Ich werde es für dich entwirren, die Knoten entküssen, dich entspannen… Ich werde mit den Locken spielen... sie aufrichten, glattstreichen oder sie stärker rollen, drehen, zwirbeln - je nachdem was dir lieber ist.

Ich werde deinen Duft atmen… Ich werde für dich singen... Ich werde deine schönen Haare streicheln... wie eine Mutter... wie ein Sohn... wie ein Liebhaber... wie eine Freundin… wie ein Kind.... und ich schlafe in der Zuflucht deiner Haare... deine Haare sind meine Heimat...

 

Monolog 7

Ich kann ihm nicht ausweichen…Selbst wenn ich es zu einem Kind rasiere, wird es trotzdem erwachsen... und wächst immer wieder. Es ist überall präsent, oft nur als Strich, als Leerstelle auf Bildern, Fotos und in Videos.

Epiliercreme... Gel, Laser, Wachs... Rasieren... Zupfen... Abziehen… für die Bikini-Zone. - Oder ein Styling? Martiniglas, Herzform, die Pyramide, eine Landebahn…. Oder Brasilianisch... man nennt es auch den „Busch“.

Quell des Ekels – der Hässlichkeit. Unordentlich, dreckig. Rasier’ dich mal. Rasiert: fühlt sich an wie ein Stoppelbart, die Haut: angeschwollen, ungeschützt. Ein Mückenstich.

Und es wächst, es wächst immer wieder. Ich wachse immer wieder. Ich wachse. Ich wachse…

Ich bin sauber! Ich bin unentbehrlich, meine Liebe. Ich schütze dich, ich bin ein Tor: zur Vulva.. zur Klitoris… zum Orgasmus... Sex und Liebe.. Ich bewahre Geheimnisse und ich spreche von ihnen: das Geheimnis der Masturbation, des Blutes.

Es tut mir nicht leid, wenn ich deinen Mund berühre oder deine Lippen streichle.

Ich trage Gerüche... deinen Geruch und meinen Geruch... unser beider Flüssigkeiten....

Schäm’ dich nicht und beschäm’ mich nicht - mit Chemikalien und Wachs als wäre ich ein gefährliches Tier. Es gibt keine Dämonen, die in mir versteckt sind. Ich bin „the circle of live“ – Ich bin schön! - ich will gefeiert werden – will persönlich anwesend sein, ein neuer Bestandteil deines Fetisch-Archivs.

Ich bin hier und darf alles sagen, wie und wann es mir gefällt. Ich bin nur und ganz und gar - Haar. Du kannst mich nicht für immer verstecken, denn unser Körper ist unsere Wurzel.... wie können wir weiter entwurzeln, beschämen und ideologisieren, wer wir sind?

 

Monolog 8

Wie siehst du denn aus?
So willst du herumlaufen?
Findest du das passt zu dir?
Du tust dir damit aber keinen Gefallen!
Uns auch nicht übrigens.
Wir dachten, du willst zu uns dazu gehören… ?
So geht das aber nicht…
So kommen wir nicht zusammen!

Also nein - wie kannst du nur so herumzulaufen?!! Das steht eindeutig im Widerspruch zu den Prinzipien unserer Gruppe! Sieh mal, wir sind doch auf der richtigen Seite! Du beschämst uns ja mit diesem Look.

Wahrscheinlich wirst du morgen... Nein, tut uns leid, aber das kann echt nicht toleriert werden, nein. Wir wissen, was gut ist für dich... glaub uns, das wird dich sonst wirklich in Schwierigkeiten bringen.

Also, nein, das geht nun wirklich nicht! Tut uns leid, aber ehrlich gesagt: es ist nicht dein persönliches Haar und auch nicht deine persönliche Entscheidung! Es ist eine Entscheidung der Gruppe, es ist unser Haar. Wir definieren unser Aussehen und unser Aussehen definiert, wer wir sind. Wir sind die Frauen - wir wissen, was das Beste für dich ist.

Dein Haar gehört uns! Es ist unsere Aussage! Komm schon, zeig deine Treue, beweis deine Loyalität – beweis deine Überzeugung!

Du zögerst? Du willst nicht zu uns gehören? Dann bist du definitiv raus aus unserem System, geh weg von uns, geh weg, hau ab... du bist raus... du bist raus – RAUS mit dir!

 

Monolog 9

Manche Menschen verdecken ihre Haare - unter anderem auch aus religiösen Gründen. Aus verschiedenen Motiven: Als Brauch, religiöses Selbstverständnis, individueller Selbstausdruck, Vorschrift oder Mode. Einige Muslima tragen ein Kopftuch.

Die russisch-orthodoxe Kirche verlangt z.Bsp. von allen verheirateten Frauen, dass sie in der Kirche Kopftücher tragen. Das orthodoxe Judentum empfiehlt ebenfalls die Verwendung von Schals und anderen Kopfbedeckungen für verheiratete Frauen. Auch in bestimmten hinduistischen Sekten werden Kopftücher getragen.

Auch für Männer gibt es im Islam, im orthodoxen Judentum und Christentum und in anderen religiösen Gruppen Vorschriften darüber, wie die Kopfhaare abgedeckt werden sollen oder wie genau die Gesichtshaare geschnitten werden müssen.

Sikhs sind grundsätzlich dazu verpflichtet, ihre Haare nicht zu schneiden, die Männer haben ihn in einem Knoten auf dem Kopf gebunden und abgedeckt. Auch Dreadlocks können eine Religiöse Vorschrift sein und werden dann in ein Tuch gebunden.

Alle eint der Gedanke, dass Haare etwas Intimes, etwas Persönliches sind, vielleicht eine Verbindung zu etwas Höherem, etwas Heiliges, das geschützt werden sollte.

Manche Frauen verzichten auf eine Chemotherapie, aus Angst vor dem Haarverlust, vor der Glatze.

Das Abschneiden oder gar Rasieren von Haaren unter Zwang wird als Bestrafung, Demütigung, Unterwerfung und als Folter eingesetzt.

 

Schluss

(gesprochen von Nora Amin)

xy: Ich bin Haar... Ich sterbe nicht so leicht... Ich lebe länger als man erwartet... und ich trage Erinnerungen... ob kurz oder lang oder mittellang... schwarz oder weiß oder gelb oder braun... Ich bin, wer ich bin... hör auf, mich als Signifikant zu benutzen... als Zeichen für Geschlecht oder Alter oder Religion oder sozialen Status... Ich bin aus Haar und kann sprechen und tanzen... Ich tanze.... Ich tanze meinen eigenen Tanz.... ein Duett mit Luft und Wind und Freiheit... Ich tanze meinen Haartanz...

 

Gefördert von

Die Text-Online-Veröffentlichung wird gefördert vom Deutschen Literaturfonds im NEUSTART KULTUR-Programm/ Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.

 

 

Team

Spiel: Jasmina Music
Texte: Nora Amin
Regie: Nina de la Chevallerie
Dramaturgie: Sheila Hilpert
Ausstattung: Sonja Elena Schroeder
Video: Reimar de la Chevallerie
Fotos: Toni Säckl

Mehr Informationen zur Uraufführung HAARE (Oktober 2019, boat people projekt) finden Sie HIER.