Leere Stühle

Wir sind das Theater boat people projekt. Unser Name entstand einmal aus dem Bedürfnis, den in Deutschland sprichwörtlich gestrandeten Menschen einen Theaterraum anzubieten, in dem sie gemeinsam mit hiesigen Theatermacher*innen etwas von sich zeigen konnten. Zur Zeit unserer Gründung, 2009, waren Geflüchtete hierzulande weitgehend unsichtbar. Seither ist das anders, und seit einiger Zeit suchen wir nach einem anderen Namen, der unser Kollektiv und unsere Theaterperspektiven neu beschreibt. Unsere Ensembles sind nach wie vor geprägt von Verschiedenheit. Die Schauspielerinnen und Schauspieler, Regieführende und Schreibende, die bei uns arbeiten, haben Deutsch oftmals als Zweit- oder Drittsprache gelernt.

Unser Raum hat sich vergrößert. Nicht nur personell, sondern auch gemessen in Quadratmetern. Wir haben in Göttingen viele Räume bespielt – zuletzt das Filmstudio im ehemaligen IWF, davor die Passage im Cheltenham Haus. Das erste Projekt spielte in einem durch Göttingens Randbezirke fahrenden Stadtbus, dessen Zielort ein imaginäres Lampedusa war. Wir waren auch auf dem Gelände des einstigen Flugplatzes -mit dem Stück Keinsternhotel- , wir haben szenische Rundgänge gemacht, im Standesamt gespielt, im Brunnen von Hannoversch Münden und auf den Dörfern. Jetzt haben wir eine feste Spielstätte, den Werkraum. Eine schöne Bühne haben wir eingerichtet in der Stresemannstraße, und wir haben ein tolles Foyer, in dem auch kleine Veranstaltungen gezeigt werden können.

Gerade herrscht Leere. Im Raum, den man mit Quadratmetern bemessen kann. In den Köpfen und Herzen herrscht keine Leere. Stoffe wachsen, Stücke und Projekte entstehen weiter.

Digital können wir die Vielfalt in unseren Köpfen nicht darstellen. Theater ist Begegnung. Wir brauchen die Berührung auf der Bühne und im Zuschauerraum. Ohne die Menschen bedeutet das Theater nichts. Im leeren Raum kann alles entstehen, aber nichts entsteht ohne uns und ohne Euch, unser Publikum.

Göttingen, Mai 2020

 

 

 

Aktuelle Produktionen

Hausbesuche statt Bühne - Die jungen ERIKs treffen sich auf Abstand

 

 

 

von Roma Center e.V. in Kooperation mit boat people projekt

News

boat people projekt unter den erfolgreichsten deutschen Theatermacher*innen der Saison 17/18

Das Theatermagazin "Die Deutsche Bühne" veröffentlicht die Ergebnisse der jährlichen branchenweiten Saisonbilanz.

Das älteste deutsche Theatermagazin Die Deutsche Bühne hat in der derzeitigen Ausgabe seine jährliche, branchenweite Autorenumfrage herausgebracht. Dazu wurden dieses Jahr 63 Theaterkritiker und Fachjournalisten zu den erfolgreichsten Theatermachern der vergangenen Spielzeit 17/18 befragt. Auch das boat people projekt zählt dazu und wird in der Kategorie "Freie Theater" neben dem Klabauter Theater aus Hamburg als „ästhetisch überzeugend“ gewürdigt. Juliane Sattler-Iffert schreibt dazu: „Das boat people projekt arbeitet als Freies Theater in Göttingen zu dem Thema Flucht und bindet dabei vor allem Künstler aus Kriegsgebieten ein. Die ungewöhnliche Initiative wurde mit dem Göttinger Friedenspreis ausgezeichnet.“

Mit dieser jährlichen Saisonbilanz will das Fachmagazin alle Sparten, also neben dem Schauspiel auch den Opern- und Tanzbereich, abdecken. Dazu stellte es in diesem Jahr insgesamt neun Fragen an ihre Autoren, u.a. zu der überzeugendsten Gesamtleistung, innovativen Formaten und zur Freien Szene.

Leseprobe zu dem Artikel der DEUTSCHEN BÜHNE finden sie HIER.